Welpen

Welpenalarm!

Von Alexander J. Probst

Die Freude bei allen Familienmitgliedern ist sehr groß; das Hündchen ist ja so was von goldig. Und weil es so goldig ist, wird es auch von allen Familienmitgliedern sehr liebevoll behandelt. Das ist schon die halbe Miete!

Die kleine Bella merkt sehr wohl, dass sie von ihren Geschwistern und der Mutter getrennt ist, sie spürt aber auch, dass man in der Familie auf ihr Wohlergehen bedacht ist. Bella stammt aus einem guten Haus. Die Züchter sind verantwortungsvoll und haben den Welpen durch die Möglichkeit, die Welpenstube eigenständig zu verlassen und wieder zu betreten, die Chance gegeben, dass sich Bella an der Mutter orientiert und nun mit 8 Wochen schon stubenrein ist.

Diese Stubenreinheit bleibt auch erhalten, wenn unsere Familie ein paar kleine Regeln befolgt. Im Vier-Stunden-Rhythmus, in jedem Fall aber nach dem Spielen, vor und nach dem Füttern und Trinken, müssen wir die kleine Bella kurz hinauslassen, damit sie die Möglichkeit hat, sich zu lösen. Dabei ist es nicht erforderlich, sie überschwänglich zu loben – das hat ihre Mama auch nicht getan. Ganz im Gegenteil, wir können uns damit ein Problem einhandeln: Wir loben für Pipi oder großes Geschäft, unser Welpe freut sich und verknüpft das Lob aber nicht mit der Örtlichkeit (draußen), sondern mit der Tätigkeit (Pipi). Der Effekt: Der Welpe möchte gerne wieder ein Lob – und pinkelt auf den Teppich. Aber, oh Wunder, es gibt kein Lob, sondern ein Geschimpfe und schlimmstenfalls ein Eintauchen der Nase in den Urin.

Der Fehler liegt also bei uns und nicht beim Hund. Deshalb müssen wir für den gottgegebenen Vorgang des Urinierens etc. nicht loben, denn es passiert sowieso. Die Mama hat den Welpen beigebracht, wie sie das Geschäft zu verrichten haben, und das behalten diese auch. Wenn wir nun schimpfen, gerät der Welpe in ein Dilemma. Um dem vorzubeugen, nehmen wir unser Hündchen, wenn mal etwas im Haus passiert ist, und tragen es wortlos nach draußen. Nach ein paar Mal hat sich alles wieder normalisiert. Das Schlimmste, was Sie tun können, ist, die Nase des Hundes in den Urin oder Kot zu tauchen. Kein Mensch weiß, wo dieser absolute Blödsinn herkommt – aber stellen Sie sich einfach die Frage, ob man das mit Ihnen auch gemacht hat oder ob Sie es mit Ihren Kindern gemacht haben oder machen würden, wenn da mal etwas „in die Hose geht“… Am einfachsten ist es, wenn Sie sich an die Vorschläge weiter oben halten. Mit „Vier-Stunden-Rhythmus“ meine ich übrigens auch – und vor allem – nachts.

Unsere Bella ist ein fröhliches Hündchen,

... das gerne durch den Garten tobt und mit den Kindern schon einen recht ordentlichen und liebevollen Umgang pflegt. Nun stellt sich in der Familie die Frage, ob es zur richtigen Erziehung der Kleinen nicht sinnvoll wäre, eine Hundeschule zu besuchen. „Was, jetzt schon?“, fragt der Vaterbesorgt, und die Mutter antwortet, dass es nie früh genug sein könne, mit der Erziehung anzufangen. Also, nichts wie an den Computer und die Adresse einer Hundeschule gesucht, die im Nahbereich ihren Sitz hat. Jetzt fragen wir uns, muss das wirklich sein? Und ich sage Ihnen, ja, das muss sein. Wobei wir nicht von der irrigen Annahme ausgehen sollen, dass ein Welpe mit acht, neun Wochen schon in das „Gymnasium“ gehen muss. Eine sinnvolle Welpen(spiel)stunde ist angesagt! Wie oft bekomme ich mit, dass Welpen schon auf die „Dressurschule“ geschickt werden, obwohl sie noch nicht einmal wissen, wie sie mit ihresgleichen umgehen sollen.

Die gut geführte Welpenstunde sollte mit maximal sechs, besser fünf Welpen pro Trainer ablaufen. Und es ist nicht das Ziel, den Kleinen jetzt schon all die Kommandos beizubringen, die zwar für das spätere Zusammenleben unabdingbar, jetzt aber einfach noch nicht notwendig sind.

 

Hundeschule

Der Fokus sollte darauf gelegt werden, dass während der Welpenzeit möglichst viele verschiedene Größen und Rassen und auch verschiedene Altersgruppen aufeinandertreffen. So ist gewährleistet, dass die kleine Bella eine Beißhemmung entwickelt, die für ihr späteres Leben sehr wichtig ist, dass Spiele nach Regeln ablaufen, dass körpersprachliche Signale auch das erreichen, was sie sollen, nämlich dem Spielpartner Hinweise geben auf gewünschtes Verhalten und vieles mehr.

Was hilft es Ihnen, wenn Ihr Hund mit zehn Wochen „Sitz“ kann, aber beim bald anstehenden Zahnwechsel Ihre Hände und Unterarme im Spiel fast zerfleischt, weil er nicht gelernt hat, dass seine Zähnchen Ihnen weh tun können? Weiterhin ist Abwechslung angesagt. In der Welpenstunde kann man wunderbar Grundsteine für späteres „mutiges“ Verhalten legen. Hier kann Ihr vierbeiniger Begleiter lernen, dass er keine Angst vor den verschiedensten Untergründen haben muss, dass eine Wippe oder ein Gitter keine Todesgefahr darstellen und dass man in einem Tunnel wunderbar mit den anderen spielen kann. Diese Voraussetzungen helfen Ihnen, wenn sie später mit dem erwachsenen Hund Abenteuer erleben wollen und um Barrieren zu überwinden, an denen Sie sonst scheitern könnten.

Also: Wenn Sie mit Ihrem Welpen in die Hundeschule gehen wollen, achten Sie auf Vielfalt, liebevollen Umgang und darauf, dass sie nicht in die Dressurschulegehen, sondern etwas machen, bei dem sich Ihr Welpe richtig freuen kann.

Führerschaft ist Elternschaft

Der Grundsatz, den Sie schon aus dem ersten Teil der Geschichte über Bella kennen, „Führerschaft ist Elternschaft“, gilt weiterhin – ein ganzes Hundeleben lang! Ich will damit sagen, dass Sie nur mit positivem Arbeiten aus Ihrem Tier einen guten, unverdorbenen Hund Mamachen und dass aversive Methoden keine lang anhaltenden Erfolge bringen werden. Lassen Sie Ihr Bauchgefühl entscheiden. Wenn man mit Ihrem Welpen etwas macht oder machen möchte, das Ihnen „Bauchweh“ verursacht, lassen Sie es nicht zu. Egal, wer Ihnen diese Tipps und Hinweise gibt. Sie sind der Hüter Ihres Hundes! Die Stichworte, die Sie für das Hundeleben beachten sollen und die Ihnen immer weiterhelfen – egal, ob beim Welpen, beim PuMo* oder beim erwachsenen Hund – heißen:

» Konsequenz,
» soziale Intelligenz und
» Gerechtigkeit.

Seien sie liebevoll, aber konsequent in der Erziehung. Beweisen Sie Ihre soziale Intelligenz und Kompetenz. Seien sie gerecht und nicht launenhaft, wie wir Menschen es leider oftmals sind. Dann sind Sie mit Ihrem Hund ein Leben lang ein tolles Team! Ich wünsche Ihnen und unserer kleinen Bella in der neuen Familie für dieses Leben alles, alles Gute.

Copyright

© istockphoto.com – TatyanaGl, shutterstock.com – Erik Lam

* PuMo = Pubertierendes Monster


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